Volvo ÖV4 – der offene Auftakt einer schwedischen Automobilgeschichte
Volvo ÖV4 von 1927 im Volvo-Museum in Göteborg. Foto: Andrzej Otrębski, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
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Volvo ÖV4 – der offene Auftakt einer schwedischen Automobilgeschichte

1927: Gabrielssons und Larsons Idee wird in Göteborg Wirklichkeit

Der erste serienmäßig gebaute Volvo war offen, hoch gebaut und setzte auf bewährte Technik. Mit dem ÖV4 legten Assar Gabrielsson und Gustaf Larson den Grundstein für etwas, dessen Tragweite sie selbst kaum überblicken konnten. Heute erzählen die erhaltenen Fahrzeuge vom Handwerk hinter der Industrie.

Von Lars EkströmChefredakteur · Oldtimer und Autogeschichte
1. November 2026 · 3 Min. Lesezeit

Mit Hilfe von KI aus dem Schwedischen übersetzt.

Am 14. April 1927 fuhr Verkaufsleiter Hilmer Johansson den ersten serienmäßig gebauten Volvo aus dem Werk auf Hisingen in Göteborg. Der Wagen war ein ÖV4, ein offener viersitziger Personenwagen mit aufrecht stehendem Kühler, freistehenden Scheinwerfern und einem zusammengefalteten Verdeck hinter dem Passagierraum. Da rollte keine technische Revolution über die Werksschwelle. Das Bemerkenswerte war vielmehr, dass aus der Idee eines in Schweden gebauten Autos nun ein verkaufsfähiges Produkt geworden war.

Der Volvo ÖV4 des Modelljahres 1927 ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte. Die Bezeichnung stand für einen offenen Wagen mit Vierzylindermotor. Der Name „Jakob“ wird häufig für das Modell verwendet, gehört ursprünglich aber zu einem der Prototypen. Ein kleiner Unterschied, der nicht untergehen sollte, wenn der Wagen als erster Volvo vorgestellt wird.

Zwei Männer und ein Netzwerk von Werkstätten

Assar Gabrielsson kam von SKF und brachte den kaufmännischen Blick mit. Gustaf Larson war der Ingenieur, der die Ambitionen in Zeichnungen, Materialauswahl und Fertigungsarbeit umsetzen konnte. Mitte der 1920er-Jahre trieben sie den Bau von Prototypen voran und suchten einen Weg zur Serienproduktion. Die Unterstützung von SKF wurde entscheidend, und die Fertigung wurde in Lundby auf Hisingen angesiedelt.

Die Idee war nicht, dass jedes Teil innerhalb desselben Werkstors erfunden oder gefertigt werden musste. Volvo entstand auf der Grundlage eines Netzwerks aus Zulieferern und Werkstätten. Die Motoren kamen von Pentaverken in Skövde, während Komponenten und handwerkliche Arbeit aus verschiedenen Quellen bei der Montage in Göteborg zusammenfanden. Hinter den bekannten Namen der Gründer standen Menschen, die Lager einpassten, Bleche richteten und prüften, ob die Teile tatsächlich zusammen funktionierten.

Auf dem schwedischen Markt gab es bereits reichlich importierte Autos. Ein neuer Hersteller musste deshalb mehr bieten als Nationalstolz: Das Auto sollte den damaligen Straßen gewachsen sein und sich warten lassen. Der ÖV4 machte den Anfang, doch seine offene Karosserie schränkte die Nutzbarkeit über einen großen Teil des Jahres ein. Bereits 1927 kam der geschlossene PV4 hinzu.

Bewährte Technik unter hohen Kotflügeln

Der ÖV4 wurde auf einem separaten Rahmen aufgebaut. Seine Karosserie verband ein Holzgerippe mit Blech – eine Bauweise, bei der Tischler- und Blechnerarbeit ebenso selbstverständlich waren wie die mechanische Montage. Die Gestaltung wird mit dem Künstler Helmer MasOlle in Verbindung gebracht, der auch an den frühen Versuchswagen beteiligt war.

Volvo ÖV4 im World of Volvo 2026. Das Modell wurde 1927–1929 gefertigt. Foto: Mike Peel (www.mikepeel.net)., CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Volvo ÖV4 im World of Volvo 2026. Das Modell wurde 1927–1929 gefertigt. Foto: Mike Peel (www.mikepeel.net)., CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Das Erscheinungsbild gehört eindeutig in die 1920er-Jahre: schmale Karosserie, hoher Einstieg, Trittbretter zwischen den Kotflügeln und große Räder. Die aufrechte Windschutzscheibe und das Verdeck boten einen grundlegenden Wetterschutz, nicht jene Abschirmung von der Außenwelt, die ein späterer Volvo-Besitzer als selbstverständlich ansehen würde. Die Schlichtheit des Innenraums erzählt von einer Zeit, in der eine Autofahrt sowohl wettergerechte Kleidung als auch Vorbereitung erforderte.

Unter der Haube saß ein niedrig drehender Vierzylinder-Seitenventilmotor. Die Kraft gelangte über ein Schaltgetriebe an die Hinterräder. Starrachsen und Blattfedern waren den Werkstätten vertraute Lösungen. Es gab keinen Grund, die Konstruktion für jene, die den Wagen am Laufen halten sollten, ungewohnter als nötig zu gestalten.

Die Bremsen wirkten auf die Hinterräder – ein wichtiger Hinweis auf das Alter des Wagens. Der ÖV4 darf nicht wie ein modernes Auto im altmodischen Gewand beurteilt werden. Abstand, Streckenwahl und vorausschauendes Fahren müssen seiner Konstruktion angepasst werden, besonders im heutigen Verkehr.

Ein Auto für einen anderen Alltag

Wir haben den ÖV4 nicht probegefahren. Sein vorgesehener Einsatzzweck verrät dennoch viel über seinen Charakter: Er war ein Personenwagen für Landstraße und Stadt, kein Sportgerät für den Wettbewerb. Die mäßige Motorleistung und der Aufbau des Fahrwerks gehören zu einer Automobilwelt, in der das Durchkommen und die Reparierbarkeit schwer wogen.

Volvo ÖV4 „Jakob“ von 1927 auf der Volvo Klassieker Beurs 2006. Foto: Niels de Wit aus Lunteren, Niederlande, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
Volvo ÖV4 „Jakob“ von 1927 auf der Volvo Klassieker Beurs 2006. Foto: Niels de Wit aus Lunteren, Niederlande, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Der Einführungspreis in Schweden betrug 1927 4 800 kronor. Damit war er kaum eine selbstverständliche Anschaffung für den Haushalt. Der Autobesitz bedeutete außerdem regelmäßige Kontrollen, Abschmierarbeiten und Einstellungen, die heutige Fahrer gewöhnlich der Werkstatt überlassen. Für den frühen Besitzer war der Kontakt zur Mechanik seines Autos deutlich unmittelbarer.

Bewahrte Geschichte verlangt Sorgfalt

Die Fertigung blieb bei 275 Exemplaren in den Jahren 1927–1929. Ein Stückzahlerfolg war der ÖV4 also nicht, doch seine historische Bedeutung übersteigt die Produktionszahl. Er zeigte, dass Organisation, Zulieferer und Montage zusammen einen funktionierenden Automobilhersteller bilden konnten.

Erhaltene ÖV4 stehen in Museumssammlungen, unter anderem bei Volvo. Eine genaue Zahl der überlebenden Fahrzeuge sollte allerdings nicht ohne eine aktuelle Bestandsaufnahme genannt werden. Ebenso wenig darf ein auf Hochglanz poliertes Museumsexemplar automatisch als unberührtes Original bezeichnet werden.

Bei jedem einzelnen Wagen müssen Fahrgestellnummer, Besitzgeschichte und Restaurierungsunterlagen geprüft werden. Holzgerippe, Karosseriebleche, Instrumente und mechanische Teile können im Laufe von fast einem Jahrhundert repariert oder ersetzt worden sein. Genau darin liegt ein großer Teil der Faszination: Der ÖV4 ist zugleich ein industriehistorischer Auftakt und ein handgefertigtes Objekt, dessen Details noch immer Spuren der Werkstätten hinter dem ersten Volvo tragen.

Quellen

  1. Volvo Cars, Volvo ÖV4
  2. Volvo Group, Our history
  3. Björn-Eric Lindh, Volvo 1927–1977 (1977)
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