
Amphicar 770 – das Auto, das den Wasserweg nahm
Zwei Propeller, vier Räder und ungewöhnlich wichtige Türdichtungen
Der Amphicar 770 sollte die Bootsrampe zu einer gewöhnlichen Straßenkreuzung machen. Zum Massenprodukt wurde das westdeutsche Amphibienauto nie, doch die Kombination aus britischem Motor, schwimmfähiger Stahlkarosserie und zwei Propellern macht es zu einer der charmant eigenwilligsten Konstruktionen der Automobilgeschichte.
Mit Hilfe von KI aus dem Schwedischen übersetzt.
Ein Auto mit einem zusätzlichen Ausweg
Der Amphicar 770 aus der Zeit von 1961–1968 ist ein offenes, viersitziges Amphibienauto, konstruiert für Fahrten auf der Straße ebenso wie im Wasser. Hinter dem Projekt stand der deutsche Konstrukteur Hans Trippel, der sich schon lange vor diesem zivilen Modell mit Amphibienfahrzeugen beschäftigt hatte. Gefertigt wurde in Westdeutschland innerhalb der Quandt-Gruppe, unter Beteiligung unter anderem der Deutschen Waggon- und Maschinenfabriken in Berlin.
Das Modell wurde 1961 vorgestellt und zielte vor allem auf die USA. Dort gab es sowohl Kaufkraft als auch reichlich Seen, Rampen und Sportbootbesitzer, die sich möglicherweise für ein Auto mit Propeller begeistern ließen. Das war keine militärische Geländemaschine im Sonntagsanzug, sondern ein Freizeitauto, das schon die Fahrt selbst zum Ausflug machen sollte.
Der Modellname war beinahe eine kleine Bedienungsanleitung: 770 stand für ungefähr sieben Knoten im Wasser und 70 miles per hour an Land. Das waren angegebene Höchstgeschwindigkeiten, kein Versprechen, dass jedes Zuwasserlassen zum Geschwindigkeitsrausch werden würde.
Rund 3 878 Exemplare wurden gebaut. Die Jahreszahlen verlangen allerdings nach einer Fußnote: 1961–1968 wird häufig als Lebensspanne des Modells genannt, doch Neuproduktion, Verkauf von Lagerbeständen und Zulassungsjahr fallen nicht immer zusammen. Bei einem einzelnen Sammlerstück müssen deshalb Fertigungsdaten und Erstzulassung auseinandergehalten werden.
Schwimmende Karosserie, britische Technik
Auf den ersten Blick wirkt der Amphicar wie ein ungewöhnlich hochbeiniges kleines Cabriolet. Die Heckflossen, die runden Scheinwerfer und das schlichte Armaturenbrett gehören unverkennbar in die frühen 1960er-Jahre. Doch unter dem freundlichen Äußeren steckt eine geschweißte Stahlkarosserie, die zugleich als Bootsrumpf dient.

Die große Bodenfreiheit schuf Platz für die besondere Ausrüstung zur Wasserfahrt. Unter dem Heck sitzen zwei Propeller, auch der Motor ist hinten untergebracht. Der Vierzylinder stammte aus dem Triumph Herald: ziemlich alltägliche britische Technik in einer höchst ungewöhnlichen deutschen Anwendung. Dank eines bewährten Pkw-Motors mussten die Konstrukteure nicht auch diesen Teil des Abenteuers neu erfinden.
Die Kraftübertragung war dagegen eine Speziallösung. Ein besonderes Getriebe von Hermes verteilte den Antrieb auf die Hinterräder beziehungsweise die Propeller. Räder und Propeller konnten gleichzeitig eingesetzt werden, was wichtig war, wenn das Auto eine Rampe hinaufklettern und wieder zum normalen Verkehrsteilnehmer werden sollte.
Die Türdichtungen und die zusätzliche Verriegelung waren weit mehr als Details, die den Regen draußen hielten. Sie gehörten zur grundlegenden Funktion des Autos als schwimmendes Fahrzeug. Auch eine Lenzpumpe war vorhanden. Bei einem gewöhnlichen Cabriolet kann eine müde Gummidichtung nasse Hosenbeine verursachen; hier waren die möglichen Folgen erheblich größer.
Das Lenkrad kam mit auf den See
Der Übergang ins Wasser verlangte Vorbereitung, nicht bloß ein selbstbewusstes Rechtsabbiegen am Badeplatz. Dichtungen, Verriegelung und Lenzpumpe mussten funktionieren, und eine geeignete Zufahrt sowie die Möglichkeit, wieder herauszukommen, mussten beurteilt werden. Ein Ufer ist nicht automatisch eine Bootsrampe, so optimistisch der Fahrer auch sein mag.

Im Wasser benutzte der Fahrer weiterhin das Lenkrad. Die Vorderräder dienten als Ruder, während die beiden Propeller für den Vortrieb sorgten. Ein separates Bootsruder gab es also nicht. Die Konstruktion sparte eine eigene Lenkvorrichtung ein, doch Räder sind im Wasser nicht so zweckmäßig wie ein richtiges Ruder.
Der Amphicar war für den Freizeiteinsatz auf geschützten Gewässern gedacht, nicht als Ersatz für ein seetüchtiges Motorboot. Dass das Auto schwimmen konnte, machte es auch nicht unabhängig von Zuladung, Wetter und Wellen. Sein großer Reiz lag vielmehr darin, dort weiterfahren zu können, wo die Straße endete – ohne Anhänger und ohne Fahrzeugwechsel.
Nach dem Bad wartete die Wartung. Abschmieren und die Kontrolle von Teilen, die unter Wasser gewesen waren, gehörten zum Betrieb dazu. Salzwasser machte das Korrosionsrisiko besonders problematisch. Wer sich nur ein Eis in der einen Hand und das Lenkrad in der anderen vorgestellt hatte, hatte einen Teil der Botschaft der Betriebsanleitung übersehen.
Sammlerauto mit zweierlei Zustand
Heute ist der Amphicar ein etabliertes Spezialfahrzeug für Sammler. Eine sinnvolle Bewertung lässt sich allerdings nicht allein anhand von glänzendem Lack und schönen Sitzen vornehmen. Der Sammlerwert muss für das einzelne Exemplar ermittelt werden, unter Berücksichtigung von Dokumentation, Originalität, Restaurierungsqualität und funktionierender Amphibientechnik.
Die Unterseite des Rumpfs, Schweißnähte, Türdichtungen, die Dichtungen der Propellerwellen und das Getriebe sind zentrale Prüfpunkte. Ein Auto kann auf der Straße fahrbereit sein, ohne sich sicher zu Wasser lassen zu können. Beim Kauf sollte eine behauptete Wassertauglichkeit deshalb durch eine sachkundige Prüfung belegt werden, nicht durch die Urlaubsbilder des Verkäufers.
Genau darin liegt auch die Anziehungskraft des Amphicar. Als gewöhnliches Auto gibt es einfachere Alternativen, als Boot ebenso. Doch nur wenige Sammlerfahrzeuge machen eine völlig alltägliche Bootsrampe zum Höhepunkt der Reise.
Quellen
- International Amphicar Owners Club, International Amphicar Owners Club
- Lane Motor Museum, Amphicar – 1964
- Nick Georgano (red.), The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile (2000)
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