
Porsche 911 Carrera RS 2.7 – das Jahr des Entenbürzels
Ein Rennsportprojekt, das zu einem der großen Sportwagenklassiker für die Straße wurde.
Porsche brauchte einen leichteren, schnelleren 911 für die Rennstrecke. Das Ergebnis war der Carrera RS 2.7 des Modelljahrs 1973: ein Homologationsmodell mit größerem Motor, spartanischem Innenraum und einem Heckspoiler, der zunächst fremdartig wirkte – und dann unsterblich wurde.
Mit Hilfe von KI aus dem Schwedischen übersetzt.
Auf dem Pariser Autosalon im Oktober 1972 stand ein Porsche mit einem seltsamen Abschluss auf dem Motordeckel. Die Karosserie war vertraut, doch über den Hinterrädern war sie breiter geworden, und an den Flanken prangte der Carrera-Schriftzug in großen Buchstaben. Die kleine, nach oben gezogene Kante am Heck sollte bald einen Spitznamen bekommen, der sowohl den Autosalon als auch die Rennsaison überdauerte: Entenbürzel.
Das Auto war der Porsche 911 Carrera RS 2.7, Modelljahr 1973, ein Seriensportwagen von Porsche aus Stuttgart-Zuffenhausen. RS stand für Rennsport. Hier war der Bezug zum Wettbewerb nicht nur ein Verkaufsargument: Das Modell sollte Porsche eine homologierte Basis für weitere Renneinsätze mit dem 911 liefern.
Fünfhundert Autos, aus denen mehr wurden
Ausgangspunkt war die Vorgabe von mindestens 500 gebauten Exemplaren für die Homologation in Gruppe 4. Porsche plante zunächst genau eine solche Serie. Die Kunden reagierten allerdings schneller, als vorsichtige Absatzprognosen erwarten ließen. Die ersten 500 waren bereits im Herbst 1972 verkauft, und laut Porsche-Historie endete die Produktion bei 1 580 Autos.

Hinter der Entwicklungsarbeit standen unter anderem Entwicklungsingenieur Peter Falk und der Motorenverantwortliche Hans Mezger. Die Aufgabe bestand darin, den 911 stärker zu machen, ohne den Vorteil eines kleinen und leichten Autos aufzugeben. Der luftgekühlte Sechszylinder-Boxermotor erhielt eine größere Bohrung und wuchs auf 2,7 Liter. Mechanische Kraftstoffeinspritzung gehörte weiterhin zum Rezept.
Der Name Carrera knüpfte an Porsches frühere Rennerfolge bei der Carrera Panamericana an. Doch der RS war kein nostalgisches Sondermodell. Er war ein Arbeitsgerät für das nächste Kapitel, und aus dem Projekt ging auch der deutlich stärker auf den Rennsport ausgerichtete Carrera RSR hervor.
Dünneres Blech, weniger Komfort
Die puristischste Straßenausführung hieß Sport und trug den Ausstattungscode M471. Heute wird sie häufig Lightweight genannt. Hier entfielen unter anderem Rücksitze, Uhr, Armlehnen und ein Teil der Geräuschdämmung. Schlichte Türverkleidungen und leichtere Sitze ließen den Innenraum eher nach Werkstatt als nach Salon wirken.

Der Touring, M472, brachte einen Großteil jener Innenausstattung und jenes Komforts zurück, den die Kunden vom 911 S kannten. Er wurde häufiger gewählt. Der Unterschied ist wichtig, wenn von einem RS die Rede ist: Zwei Autos mit demselben Motor und derselben charakteristischen Silhouette können sich bei Gewicht und Ausstattung deutlich unterscheiden.
Zur Jagd nach weniger Gewicht gehörten auch dünnere Materialien in Teilen der Karosserie und dünneres Glas. Für die Erbauer der Autos bestand der Leichtbau nicht aus einer einzigen spektakulären Erfindung, sondern aus vielen kleinen Einsparungen, die in der Summe den Unterschied machten.
Der Entenbürzel hingegen war nicht zu übersehen. Hermann Burst und Tilman Brodbeck gehörten zu den Ingenieuren hinter der Aerodynamikarbeit. Der Spoiler verringerte den Auftrieb am Heck und verbesserte zugleich die Luftzufuhr für die Motorkühlung. Zusammen mit dem Frontspoiler machte er das Auto besser für hohe Geschwindigkeiten gerüstet. Die breiteren hinteren Kotflügel schufen außerdem Platz für breitere Hinterräder: Die Form folgte einem konkreten Bedarf.
Die Geschwindigkeit verlangte Respekt
In einem zeitgenössischen Test in auto motor und sport, Heft 5 des Jahres 1973, beschleunigte die leichte RS-Version in 5,8 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 245 km/h. Das waren bemerkenswerte Ergebnisse für ein Straßenauto, das noch immer wie ein recht zierlicher 911 aussah. Die Zeitschrift hob auch die ungewöhnliche Kombination aus Rennsportpotenzial und Alltagstauglichkeit auf öffentlichen Straßen hervor.
Das darf nicht damit verwechselt werden, dass die Konstruktion nun in jeder Situation gutmütig gewesen wäre. Der Motor saß weiterhin hinter der Hinterachse. Die Last auf den Hinterrädern begünstigte die Traktion, doch die Gewichtsverteilung machte den Umgang des Fahrers mit dem Gaspedal in Kurven wichtig. Paul Frère beschreibt in seiner technischen Geschichte des 911, wie Fahrwerksentwicklung, Reifen und Aerodynamik das Fahrverhalten des Modells schrittweise verbesserten, ohne seinen Grundcharakter auszulöschen.
Rundum innenbelüftete Scheibenbremsen gehörten zum Paket. Der RS war also nicht bloß ein stärkerer Motor in einer abgespeckten Karosserie, sondern eine sorgfältige Abstimmung von Beschleunigung, Bremsleistung, Haftung und Stabilität. Die Redaktion hat das Auto nicht selbst gefahren; die hier geschilderten Fahreindrücke beruhen auf veröffentlichten Tests und technischer Geschichtsschreibung.
Das Sammlerauto hinter den Dekorstreifen
Heute ist ein echter Carrera RS 2.7 ein international gesuchtes Sammlerauto. Der Preis hängt stark von Ausführung, Dokumentation, Originalität und Restaurierungshistorie ab. Ein umgebauter gewöhnlicher 911 kann ihm täuschend ähnlich sehen, hat aber nicht denselben Ursprung.
Für Käufer haben deshalb Fahrgestellnummer, Werksunterlagen und die Übereinstimmung von Motor, Karosserie und Auslieferungszustand großes Gewicht. Auch bei einem schön restaurierten Auto muss unter den Lack geschaut werden: Leichtbauteile und originale Details sind ein wesentlicher Teil seiner Geschichte.
Vielleicht berührt der Entenbürzel deshalb noch immer. Er ist nicht nur eine unverwechselbare Silhouette, sondern auch die Spur einer Ingenieursarbeit, bei der jedes Kilo und jede Luftströmung eine Aufgabe hatte.
Quellen
- Porsche AG, 50 years of the Porsche 911 Carrera RS 2.7 – ‘Germany’s fastest sports car’ (2022)
- Paul Frère, Porsche 911 Story (2006)
- auto motor und sport, auto motor und sport, nr 5/1973 (1973)
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