Mercedes Vision EQXX: So reichte eine Ladung für über tausend Kilometer
Mercedes-Benz Vision EQXX, ein Konzeptfahrzeug von 2022. Foto: Calreyn88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
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Mercedes Vision EQXX: So reichte eine Ladung für über tausend Kilometer

Luftwiderstand, Batterie-Packaging und zwei viel beachtete Langstreckenfahrten

Der Mercedes-Benz Vision EQXX fuhr schon 2022 über 1 000 Kilometer ohne Ladestopp. Doch die Ergebnisse des Konzeptfahrzeugs sind kein Reichweitenversprechen für einen Serien-Mercedes. Hier ist die Technik hinter den Fahrten – samt den Einschränkungen, die bei den Zahlen nicht fehlen dürfen.

Von Amir HaddadTechnikredakteur · Zukunftsautos und moderne Autos
1. November 2026 · 3 Min. Lesezeit

Mit Hilfe von KI aus dem Schwedischen übersetzt.

Ein Konzeptfahrzeug mit einem messbaren Auftrag

Der im Januar 2022 vorgestellte Mercedes-Benz Vision EQXX ist ein fahrfähiges Konzeptfahrzeug und ein Technologieträger, kein Serienmodell mit einem üblichen Modelljahr. Der Auftrag war klar: mehr als tausend Kilometer mit einer Ladung unter realen Verkehrsbedingungen zurückzulegen. Die Lösung sollte nicht einfach eine größere Batterie sein, sondern ein Auto, das für jeden Kilometer weniger Energie benötigt.

Das macht den EQXX auch jenseits der Reichweiten-Schlagzeilen interessant. Mercedes betrachtete Karosserie, Antrieb, Reifen und Elektronik als Teile desselben Systems. Verluste an einer Stelle müssen mit mehr Energie an einer anderen ausgeglichen werden. Werden die Verluste stattdessen reduziert, kann die Batterie kompakter bleiben, was wiederum die Unterbringung und die Gewichtskontrolle erleichtert.

Bei der Entwicklung des Autos floss auch die Motorsportkompetenz von Mercedes in Großbritannien ein. Dabei ging es nicht in erster Linie um maximale Beschleunigung, sondern darum, aus der gespeicherten Energie möglichst viel nutzbare Arbeit zu gewinnen. Der EQXX ist deshalb eher ein rollendes Entwicklungslabor als ein getarnter Sportwagen.

Zwei Langstreckenfahrten – aber keine standardisierte Reichweite

Im April 2022 fuhr der EQXX von Sindelfingen in Deutschland nach Cassis in Südfrankreich. Die Strecke betrug 1 008 Kilometer ohne Zwischenladung. Mercedes gab einen Durchschnittsverbrauch von 8,7 kWh pro 100 Kilometer und einen verbleibenden Batterieladestand von rund 15 Prozent bei der Ankunft an, entsprechend einer zusätzlichen berechneten Reichweite von ungefähr 140 Kilometern.

Die Fahrt führte über verschiedene Straßentypen und durch wechselnde Wetterbedingungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wurde mit 87,4 km/h angegeben. Das ist eine wichtige Angabe: Tausend Kilometer im langsamen Stadtverkehr und tausend Kilometer bei hohem Autobahntempo sind völlig unterschiedliche technische Aufgaben. Die Bedeutung des Luftwiderstands nimmt mit der Geschwindigkeit stark zu.

Im Juni desselben Jahres folgte eine längere Fahrt von Stuttgart nach Silverstone in Großbritannien. Dabei meldete Mercedes 1 202 Kilometer mit einer Ladung und 8,3 kWh pro 100 Kilometer. Nach der Ankunft wurde das Auto auch auf der Rennstrecke von Silverstone gefahren, was in die angegebene Gesamtstrecke einging.

Die Ergebnisse zeigen, was genau dieser Technologieträger unter den jeweiligen Bedingungen leisten konnte. Sie sind jedoch weder eine WLTP-Einstufung noch ein Versprechen dafür, was ein Kundenfahrzeug jederzeit leisten würde. Die Angaben stammen von Mercedes, und die Redaktion hat die Fahrten nicht selbst verifiziert. Streckenprofil, Temperatur, Geschwindigkeit und die Nutzung der Komfortausstattung beeinflussen das Ergebnis. Das Wort Rekord ist daher als Beschreibung der Leistungen des Projekts zu verstehen, nicht als universeller Vergleich zwischen allen Elektroautos.

Die Form übernimmt einen großen Teil der Arbeit

Die niedrige Front, die schmale Fahrgastzelle und das lang gezogene Heck des EQXX verfolgen einen gemeinsamen Zweck: die Luft mit möglichst geringen Störungen vorbeiströmen zu lassen. Mercedes gibt einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,17 an. Doch der Beiwert allein erzählt nicht die ganze Geschichte; auch die Stirnfläche des Autos bestimmt, wie groß der Luftwiderstand ausfällt.

Mercedes-Benz Vision EQXX von 2022, schräg von hinten gesehen. Das lang gezogene Heck und die schmale Fahrgastzelle sind zentrale Elemente der aerodynamischen Gestaltung des Konzeptfahrzeugs. KI-generierte Illustration.
Mercedes-Benz Vision EQXX von 2022, schräg von hinten gesehen. Das lang gezogene Heck und die schmale Fahrgastzelle sind zentrale Elemente der aerodynamischen Gestaltung des Konzeptfahrzeugs. KI-generierte Illustration.

Am Heck soll sich die Luftströmung möglichst geordnet von der Karosserie lösen. Der ausfahrbare Heckdiffusor hilft, die Strömung zu formen, ohne dass das Auto in jeder Situation dieselbe Länge haben muss. Die Gestaltung der Räder und speziell entwickelte Reifen tragen gleichzeitig dazu bei, Luft- und Rollwiderstand zu begrenzen.

Auch die Kühlung beeinflusst die Form. Luft, die durch Kühlöffnungen geleitet wird, erzeugt Widerstand. Der EQXX nutzt deshalb unter anderem eine Kühlplatte im Unterboden, um Wärme abzuführen und den Bedarf an Luftströmung durch die Karosserie zu reduzieren. Wenn die Belastung es erfordert, kann eine stärkere aktive Kühlung eingesetzt werden. Das ist eine Abwägung, keine Kühlung ohne zusätzlichen Aufwand unter allen Bedingungen.

Die Batterie speichert knapp 100 kWh nutzbare Energie. Mercedes gab an, dass das Paket deutlich kleiner und leichter war als die Batterie im damaligen EQS. Der Vergleich bezieht sich auf das Batteriepaket selbst, nicht darauf, dass der EQXX denselben Innenraum, dieselbe Ausstattung oder denselben Einsatzbereich wie die Luxuslimousine bietet.

Was kann ein Käufer tatsächlich bekommen?

Der Innenraum bietet vier Sitzplätze und einen breiten, durchgehenden Bildschirm. Die Benutzeroberfläche visualisiert unter anderem Energieflüsse und den Einfluss der Fahrweise auf den Verbrauch. Hier wird die Technik anschaulich: Der Fahrer kann den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit, Straße und Energiebedarf erkennen, statt lediglich eine Zahl für die verbleibende Reichweite zu verfolgen.

Das Cockpit des EQXX mit einem breiten, durchgehenden Bildschirm über der Instrumententafel. Das viersitzige Konzeptfahrzeug wurde als Technologieträger entwickelt, nicht als bestellbares Kundenmodell. KI-generierte Illustration.
Das Cockpit des EQXX mit einem breiten, durchgehenden Bildschirm über der Instrumententafel. Das viersitzige Konzeptfahrzeug wurde als Technologieträger entwickelt, nicht als bestellbares Kundenmodell. KI-generierte Illustration.

Wir haben das Auto nicht Probe gefahren. Sein eindeutigster Einsatzzweck liegt in der Entwicklung und Demonstration, nicht im Alltagsbesitz. Die niedrige Karosserie und die Speziallösungen müssen sich auch an den Anforderungen der Serienproduktion an Platzangebot, Fertigung, Service und Kosten messen lassen.

Der EQXX wurde nicht als bestellbares Modell auf den Markt gebracht und hatte keinen Kundenpreis. Mercedes beschrieb das Projekt als technologischen Wegweiser für kommende Autos. Das ist ein erklärtes Ziel; dass ein künftiger Mercedes automatisch dieselbe Reichweite erreicht, ist dagegen Spekulation. Die bestätigte Leistung ist enger umrissen, aber weiterhin beeindruckend: Ein fahrfähiges Konzeptfahrzeug überschritt auf realen Straßen die Tausendkilometermarke.

Quellen

  1. Mercedes-Benz, VISION EQXX (2022)
  2. Autocar, Mercedes-Benz Vision EQXX review (2022)
  3. Top Gear, Mercedes-Benz Vision EQXX review (2022)
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