Jaguar E-Type – das schönste Auto?
Jaguar E-Type Series 1 3,8 Liter von 1961 im British Motor Museum. Der Wagen ist das erste in Serie gebaute offene zweisitzige Exemplar und eine Dauerleihgabe an die Jaguar Heritage Collection. Foto: DeFacto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Klassiker · Jaguar

Jaguar E-Type – das schönste Auto?

Malcolm Sayers Meisterwerk vereinte Rennsporttechnik mit einem überraschenden Preis.

Als der Jaguar E-Type 1961 in Genf vorgestellt wurde, wirkte er wie aus einer anderen Welt. Doch unter der langen Motorhaube steckte bewährte Rennsporttechnik. Es ist das Zusammenspiel von Form, Konstruktion und Erschwinglichkeit, das den ersten E-Type bis heute so faszinierend macht.

Von Cecilia WahlReporterin · Luxusautos und Autodesign
1. November 2026 · 3 Min. Lesezeit

Mit Hilfe von KI aus dem Schwedischen übersetzt.

Genf bekam Gesprächsstoff

Der Jaguar E-Type 3.8 von 1961 aus der ersten Baureihe, die später die Bezeichnung Series 1 erhielt, ist ein Klassiker, dessen Ruhm das eigentliche Auto leicht überstrahlt. Betrachten wir ihn einmal ohne seine Legende: die kleine ovale Kühleröffnung, die Scheinwerfer unter Glas und die Motorhaube, die scheinbar die halbe Karosserie einnimmt. Hinter dem Lenkrad sitzt man beinahe über den Hinterrädern. Die Proportionen sind kühn, doch die Details fügen alles zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Bei der Vorstellung in Genf im März 1961 standen zwei Karosserievarianten zur Wahl: ein offener zweisitziger Roadster und ein geschlossenes Fixed Head Coupé. Beide baute Jaguar selbst, ohne externen Karosseriebauer. Das Coupé mit dem Kennzeichen 9600 HP spielte bei der Einführung eine zentrale Rolle. Als ein weiterer Vorführwagen gebraucht wurde, fuhr Jaguars Testfahrer Norman Dewis den Roadster 77 RW über Nacht von England nach Genf.

Der E-Type löste den XK150 ab und führte Jaguars Sportwagen in eine neue Formensprache. Die Erfolge der Marke in Le Mans hatten dem Namen bereits Gewicht verliehen. Nun konnten Kunden etwas kaufen, das eine deutliche Verwandtschaft mit den Rennwagen aufwies, aber eine Windschutzscheibe, einen Gepäckraum und den Anspruch mitbrachte, auch auf normalen Straßen zu funktionieren.

Sayers Form war mehr als eine schöne Linie

Malcolm Sayer hatte in der Luftfahrtindustrie gearbeitet, bevor er zu Jaguar kam. Er näherte sich der Karosserieform mit Aerodynamik und geometrischen Berechnungen statt allein mit schwungvollen Strichen auf dem Skizzenblock. Die Erfahrungen mit C-Type und D-Type flossen in den E-Type ein, während Firmenchef William Lyons entscheidenden Einfluss auf das Endergebnis nahm.

Jaguar E-Type Series 1 3.8 von 1961 beim London Concours 2021. Der Rennwagen gehörte früher Dick Protheroe und ist das vierte gebaute E-Type-Coupé. Foto: MrWalkr, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Jaguar E-Type Series 1 3.8 von 1961 beim London Concours 2021. Der Rennwagen gehörte früher Dick Protheroe und ist das vierte gebaute E-Type-Coupé. Foto: MrWalkr, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Die flache Nase geht in gewölbte vordere Kotflügel über, die den Fahrer die Position der Räder erahnen lassen. Beim Coupé fällt das Dach zu einem spitz zulaufenden, abgerundeten Heck ab, dessen Heckklappe sich seitlich öffnen lässt. Beim Roadster findet dieselbe Grundform einen leichter wirkenden Abschluss. Welcher der schönere ist, hängt stark davon ab, ob man die durchgehende Silhouette des Coupés oder die klare Gürtellinie des offenen Wagens bevorzugt.

Der Innenraum ist weniger Salon als vielmehr eine mit Leder ausgeschlagene Präzisionswerkstatt. Die großen Instrumente sitzen vor dem Fahrer, kleinere Anzeigen und Kippschalter sind in der Mitte gebündelt. Geprägtes Aluminium am Mittelteil des Armaturenbretts und auf der Mittelkonsole verleiht den frühen Wagen einen besonderen Glanz. Das dünne Holzlenkrad rahmt den Blick über die Motorhaube ein.

Die ersten Exemplare hatten einen flachen Innenraumboden, der die Beinfreiheit einschränkte. Frühe Wagen können außerdem außenliegende Motorhaubenverschlüsse haben. Solche Details sind heute für Sammler wichtig, finden sich aber nicht an allen Fahrzeugen von 1961. Maßgeblich für die Beurteilung müssen Fertigungsdatum und Fahrgestellnummer sein, nicht allein das Zulassungsjahr.

Das Rennsporterbe unter der Haut

Der E-Type war nicht bloß eine spektakuläre Karosserie über alter Mechanik. Die tragende Mittelstruktur der Fahrgastzelle wurde mit einer vorderen Rohrkonstruktion kombiniert, die Motor und Vorderachse trug. Die gesamte große Frontpartie ließ sich nach vorn klappen, wodurch Motor und Radaufhängungen ungewöhnlich gut zugänglich waren.

Ein früher Jaguar E-Type 3.8 Series 1 von 1961 bei Simply-Jaguar in Beaulieu. Foto: Andrew Bone from Weymouth, England, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
Ein früher Jaguar E-Type 3.8 Series 1 von 1961 bei Simply-Jaguar in Beaulieu. Foto: Andrew Bone from Weymouth, England, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Der XK-Reihensechszylinder hatte zwei obenliegende Nockenwellen und drei SU-Vergaser. Die Konstruktion war bewährt, doch zusammen mit Scheibenbremsen rundum und einer hinteren Einzelradaufhängung bot der E-Type ein starkes Technikpaket. Die hinteren Bremsen saßen direkt am Differenzial – eine Lösung, die die ungefederten Massen verringerte, später aber Werkstattarbeiten aufwendiger machen konnte.

Der Wagen war für schnelle Überlandfahrten und lange Reisen gedacht, nicht nur für kurze Schauauftritte. Zugleich verlangt das frühe Moss-Getriebe Bedacht: Der erste Gang ist nicht synchronisiert. Wer heute einen kaufen möchte, sollte auch die Sitzposition gründlich ausprobieren. Die niedrige Dachlinie und der frühe Boden gehören zum Originalerlebnis, sind aber keine ergonomischen Vorzüge. Die Redaktion hat den Wagen nicht probegefahren.

Damals ein Schnäppchen, heute ein Sammlerauto

Bei der Einführung kostete der Roadster auf dem britischen Markt rund 2 097 Pfund, das Coupé 2 196 Pfund, jeweils einschließlich der damaligen purchase tax. Das war viel Geld für einen Haushalt, aber bemerkenswert wenig für einen so schnellen und aufsehenerregenden Sportwagen. Die Exklusivität lag vor allem im Erlebnis, nicht darin, dass Jaguar die Produktion auf einen kleinen Kundenkreis beschränkte.

Als grobe Orientierung für das heutige Budget kann ein früher 3,8-Liter der Series 1 zwischen rund 800 000 und über zwei Millionen Kronen liegen. Das ist eine geschätzte Spanne, keine verifizierte aktuelle Preisnotierung oder Garantie. Außergewöhnlich frühe Exemplare, eine dokumentierte Historie und eine erstklassige Restaurierung können den Preis erheblich höher treiben.

Prüfen Sie Rost, Karosseriegeometrie, Motoridentität und Restaurierungsdokumentation, bevor Sie sich vom Lackglanz beeindrucken lassen. Die richtigen Details bedeuten viel, doch Originalität muss von einer späteren Rückversetzung in den Originalzustand unterschieden werden.

Das schönste Auto? Das lässt sich nicht beweisen. Das stärkste Argument des E-Type ist, dass seine Form noch immer selbstverständlich wirkt, wenn man die Technik dahinter versteht.

Quellen

  1. Philip Porter, Original Jaguar E-Type (1990)
  2. Philip Porter, Jaguar E-Type: The Definitive History
  3. The Museum of Modern Art, Jaguar E-Type Roadster
  4. Hagerty, Hagerty Valuation Tools
Fragen Sie Cars News

Stellen Sie Fragen zu „Jaguar E-Type – das schönste Auto?“. Die Antworten beruhen auf den eigenen Artikeln des Magazins.

Mehr aus dem Archiv